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je ne regrettie rien.

Würde ich nicht das tun, was ich tue, würde ich mir vorkommen, als ob ich mein Leben verpassen würde. Und wer will das schon?

Es ist mittlerweile Mittwoch, der Vierte des neuen Jahres. Ich habe schon lange nicht mehr gebloggt und mich dem Schreiben hingegeben. Dies werde ich nun nachholen. Vielleicht muss ich ein wenig weiter ausholen, um meine Geschichte zu erzählen. Es ist keine schöne, jedoch vom Leben gezeichnet.

Der Anfang ist kurz gemacht - du warst über ein Jahr mit einem jungen Mann zusammen, mit dem du eigentlich kaum etwas gemeinsam hast. Warum? Nun.. er war einfach da, sagte dir, du seist hübsch.. wie das nun mal ist. So ‘n bisschen Knutschen, so ‘n bisschen gut fühlen. Dann zusammen sein, ohne sich groß zu kennen. Irgendwie fällt dir dann schleichend auf, dass es vielleicht doch nicht so das Wahre ist.. ein bisschen Sex hilft ja. Irgendwann kommst du jedoch an den Punkt, der dir sagt, dass es vollkommen falsch ist. Spätestens wenn du an allem Schuld bist und er deine Mutter als hässlich tituliert, weißt du, dass es eine Fehlentscheidung war. Eine, die sich zwar gut anfühlte, aber irgendwie merkst du, dass nicht alles, was sich gut anfühlt, immer so bleiben kann und muss. Irgendwie tut’s dann auch nicht mehr weh, wenn du einen Schlussstrich ziehst. Du hast es ja geahnt.

Du bist gerade frisch von Zuhause ausgezogen, in deine ersten, eigenen, kleinen vier Wände. Aber irgendwie bist du unzufrieden. Du bist nie in den Urlaub gefahren, die Highlights waren Studienreisen in der Schule oder der monatliche Ausflug nach Polen, um Mutter Zigaretten zu kaufen. Du willst raus aus diesem Leben. Raus aus dem Zuhause, dass du noch gar nicht so nennen kannst. Du bist krank und denkst an deine Lust, zu schreiben. Brieffreunde! Das wäre doch eine Idee. Du machst dich an deinen Computer. Du weiß, du studierst eine neue Fremdsprache. Du suchst und suchst nach einem Mutersprachler.. und dann findest du IHN. Du hast ihn nie zuvor gesehen, sein Profilbild interessiert dich nicht; du schreibst ihm einfach. Du wartest. Er liest die Nachricht. Er schreibt nicht zurück. Darauf hin schickst du ihm eine bitterböse Mail, dass man nicht einfach liest und nicht zurück schreibt, das gehöre sich schließlich nicht. Dann kommt die Antwort.. er wollte dir zurückschreiben, aber er hat mit den Aufgaben für die Uni zu tun. Wie dumm du dir vorkommst. Aber vielleicht hätte er dich vergessen, hättest du nicht um Kontakt gebettelt. Darauf hin schreibt ihr viel, über belangloses Zeug. Aber es macht Spaß. Du erwartest jede Nachricht so sehnsüchtig wie eine Mutter ihren in den Krieg gezogenen Sohn wieder daheim erwartet. Irgendwann fragt er dich nach Skype. Oh mein Gott, das hast du doch schon Ewigkeiten nicht mehr benutzt. Egal, geadded. Jetzt will er dich auch noch sehen, ungeschminkt und mit Rotznase. Nagut, er wohnt ja weit weg, er wird dich nie kennenlernen. Denkst du.

Ab diesem Zeitpunkt camt ihr jeden Tag, quatscht über belangloses Zeug und entdeckt, dass ihr euch teilweise sehr ähnlich seit. Du denkst an deinen Wunsch, herauszukommen. Die Welt zu sehen. Du fragst ihn, ob du ihn besuchen kannst. Er ist begeistert. Du hast genug Geld, denkst du dir, warum dann nicht? Soeben hast du deinen Flug gebucht. Einen Flug in ein Land, dessen Sprache du nicht beherrschst. Zwei Wochen später ist es so weit. Du bist noch nie geflogen. Du hast Angst. Als das Flugzeug losrollt, denkst du, dass es so schnell ist. Du gräbst deine Fingernägel in die Armlehnen. Ganz allein rollst du da durch die Gegend, mit ein paar anderen. Dann geht es los. Du bist irgendwie enttäuscht. Du hast dir mehr Sorgen gemacht, als eigentlich nötig waren. Getränk und Snack, und dann bist du auch schon irgendwie da, an deinem Ziel. Moment, da kommt ja noch die Zugfahrt davor! Du bist so aufgeregt und hundemüde. Du darfst nicht schlafen, du bist bald da. Was hat dich eigentlich geritten? Warum bist du jetzt hier und nicht in deinen kleinen vier Wänden? Warum triffst du dich mit einem völlig Fremden in einem Land, das du nicht kennst? Warum hast du deinen Eltern nicht Bescheid gesagt? Was ist, wenn er dich nicht mag? Du bleibst fünf Tage hier! Ganze fünf Tage! Willst du nicht einfach wieder zurück? Und noch bevor du dich versiehst, bist du da. Du steigst aus. Gehst den Bahnhof entlang. Du siehst ihn. Du versuchst, nicht zu Laufen. Du stehst ihm gegenüber. Er beugt sich zu dir runter und küsst dich. Einfach so.

Du verbringst die wahrscheinlich schönste Zeit deines Lebens dort. In einem Land, das du zum ersten Mal besuchst. Es interessiert ihn nicht, dass du ein paar Kilo zu viel hast. Und dich stört es nicht, dass er Ticks hat. Ja, Ticks wie beim Tourette. Nein, keine ruckartigen Bewegungen und Ausrufe von Worten, nur Pfeifen. Dir fällt das auch nach ein paar Minuten gar nicht mehr auf. Ihr kocht, ihr guckt euch die Gegend an, ihr schlaft in einem Bett, 90 Zentimeter breit. Du dachtest immer, das wäre viel zu wenig für zwei Menschen. Aber irgendwie ist es genau richtig. Genau richtig, um alles intensiv zu spüren. Du glaubst, du hast so noch nie gefühlt; das, was du jetzt fühlst, weißt du gar nicht zuzuordnen. Du weißt nur, dass es gut ist, so, wie es ist. Wie auch immer, diese fünf Tage gehen viel zu schnell vorbei. Du denkst immer an das Ende. Und dann ist es plötzlich da. Du willst nicht gehen. Er will nicht, dass du gehst. Aber du musst. Zurück in deine kleinen vier Wände. In das Leben, das du nicht willst. Du fragst dich, warum du nicht bleiben kannst, für immer. Du verstehst es erst später. Er bringt dich zum Bahnhof, an einem kalten Morgen. Die Straße ist gefrohren. Ihr geht langsam. Irgendwann seit ihr da. Du willst nicht in diesen Zug steigen. Er will auch nicht, dass du in diesen Zug steigst. Du sagst ihm, er soll nicht traurig sein. Du willst ihn glücklich in Erinnerung behalten. Er drückt dich an sich. Erst später erzählt er dir, dass er geweint hat. Du steigst ein. Er kommt ans Fenster. Langsam rollt der Zug los. Du winkst ihm. Bald kannst du ihn nicht mehr sehen. In diesem Moment fängst du an, bitterlich zu weinen. Du weißt, dass du ihn nicht mehr wiedersehen wirst, irgendwie hast du das im Urin. Du lässt die schönste Zeit deines Lebens hinter dir. Du weißt es einfach. Da gibt’s kein Happy End. Nur schöne Erinnerungen an das, was einmal war. Du bist dir nicht sicher, was es war. Du weißt nur, dass es sich gut angefühlt hat. Ohne Schlechte Gefühle am Ende. Es war die Zeit deines Lebens, so viel steht fest.

Ehe du dich versiehst, bist du wieder zu Hause. In den kleinen vier Wänden, deiner Welt, deinem Leben. Im Alltag. Wieder da angekommen, wo du nicht sein willst. Du fühlst dich tot im Inneren. So tot, wie man sich nur fühlen kann. Leer und allein. Du kommst da niemals drüber hinweg, glaubst du. Am nächsten Tag kaufst du dir ein Fotoalbum und klebst dort die Flugscheine und Zugfahrttickets ein, als wären es Familienbilder. Es ist deine Art, damit abzuschließen. Denn trotz währendem Kontakt weißt du, dass es nichts anderes werden kann. Nicht das, was du willst. Du kannst hier nicht weg, und er kann nicht zu dir. Wie sollte man über eine solche Distanz etwas aufbauen? Du bist dir sicher, du hast etwas Großes verloren. Aber du hast auch etwas gewonnen. Etwas, wofür du dem jungen Mann aus dem fernen Land sehr dankbar bist. Du kannst immer mit einem Lächeln zurückblicken und sagen, dass du etwas gelernt hast, was du in deinen kleinen vier Wänden nie gelernt hättest. Du hast nachgedacht. Viel nachgedacht. Du hast eine neue Sicht über Liebe, Lust und Beziehungen. Du weißt jetzt, dass es nicht wichtig ist, wie du aussiehst, wie groß deine Brüste sind, ob du mit jemandem knutschst oder Sex hast - solange du dich gut fühlst, in dem, was du machst, geht es dir auch gut. Und wenn es nur schöne Erinnerungen an eine wundervolle Zeit sind. Nur solltest du hundertprozentig dahinter stehen. Du weißt jetzt, was sich richtig anfühlt und was nicht. Die Typen in der Disco zum Beispiel, die meinen es nie ernst mit dir. Sie loben dein hübsches Gesicht und preisen deine großen Brüste, aber da ist kein Gefühl dahinter. Du suchst aber dieses Gefühl, was es gut macht. Jemand kann noch so gut aussehen und dir Honig um den Mund schmieren - du weißt sofort, ob er es ernst meint oder nicht. Als hättest du den siebten Sinn. Nein, ernst meinen heißt nicht immer gleich Beziehung. Ernst meinen heißt, dass er dahinter steht, dass er dich am nächsten Tag nicht sitzen lässt und ihr beide, egal was passiert, auf etwas Schönes zurückblicken könnt. Es interessieren keine Macken, kein Aussehen, nichts. Nur, dass es sich gut anfühlt.

Es ist Neujahr. Du feierst mit deinen Freundinnen. Du hast getrunken. Mann, bist du betrunken. Du gehst mit ihnen an den Strand. Triffst einen Kumpel. Der hat noch mehr Kumpels dabei. Mit dem einen verstehst du dich gleich gut. Ihr unterhaltet euch. Irgendwann fangt ihr an, zu knutschen. Warum? Weil es sich gut anfühlt. Weil der Rest der Welt erstmal egal ist. Du weißt nicht, wie er heißt. Ist doch auch egal. Hauptsache, es fühlt sich gut an. Nach einer Weile könnt ihr euch trennen. Eine Freundin fragt dich “Du, wer war denn das?” und du antwortest “Keine Ahnung!”, weil es ja auch nicht wichtig ist. Daraufhin sagt sie “Der ist aber mal voll hässlich!”.. und dann könntest du durchdrehen. Wer entscheidet, was hässlich und was schön ist? Hat sie ihn geküsst? Nein. Weiß sie, wie es sich anfühlt? Nein. Weiß sie, dass dabei nicht unbedingt eine Beziehung rausspringen muss? Nein. Weil alle Menschen hier viel zu versteift sind. Vielleicht interessiert ihr euch am nächsten Morgen gar nicht mehr füreinander. Aber vielleicht ist er auch der Mensch, nach dem du suchst. Der, der alles verändert. Der dich täglich aus deinem Alltag herauszieht; derjenige, der alles besonders macht. Aber woher sollst du das jetzt wissen? Und selbst, wenn nicht - ihr hattet eine schöne Zeit, und das kann euch keiner nehmen. Bis dahin weißt du nur, dass du nichts bereuen musst. Du musst dich auch für nichts rechtfertigen, wenn du das nicht möchtest. Es ist dein  Leben. Und warum solltest du es nicht so leben, wie du es möchtest?
4.1.12 00:55
 


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